Website des Journalisten Johannes M. Fischer
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Gedanken zur Zukunft des Journalismus

Gregor und andere Typen: Das sind Notizen über Typen und Verhaltensmuster, die normalerweise verdammt sind, unsichtbar zu bleiben. Eine Lese von Lumpen, die in der Welt der Mikrofone und Scheinwerfer unbeobachtet bleiben. Porträts, aus dem Alltag geschnitten. Auch wenn es respektlos erscheint, so habe ich mir dennoch erlaubt, mich ein ganz klein wenig an großartige Beobachter und literarische Vorbilder wie den Lumpensammler Siegfried Kracauer (so Walter Benjamin über den Feuilletonisten), Elias Canetti (Ohrenzeuge) und Theophrast (Charaktere) anzulehnen. Entstanden sind die kleinen Fingerübungen immer dann, wenn irgendwo etwas Zeit und Muse auftauchte: Auf Kaimauern,  Parkbänken, Straßenbahnen, Zügen und natürlich in Cafés.


#8 Das Fettauge

Der oder das Fettauge will immer oben schwimmen, aber so tun, als sei es Teil der Brühe. Tatsächlich nutzt es das Wasser unter ihm nur, um den Ausblick nach oben zu haben. Wenn es den Mund auftut, lügt es so süß, dass man es ihm überhaupt nicht anmerkt, wie unwohl es sich in seiner blasigen Haut fühlt.

Sein äußerer Anstrich soll immer eine winzige Spur anders sein, um den Wiedererkennungswert zu steigern und als konformistischer Nonkonformist aufzufallen. Aber nie zu viel, sonst könnte ihm die Brühe unter den Füßen weglaufen und es bekäme tatsächlich realen Boden unter die Füße: Das wäre das Schlimmste, was ihm passieren könnte. Seine Daseinsberechtigung als Fettauge wäre verloren und es würde, ganz gleich wie viele Besitztümer es sich unter den Nagel gerissen hat, an der bitteren Wahrheit vertrocknen.

Es gibt sich in unterschiedlichen Gesellschaften unterschiedlich, und wenn es ihm nutzt, auch bescheiden und erdverbunden. Es fällt ihm allerdings schwer, seine Anerkennungssucht zu verbergen. Hieraus entsteht sein größtes Leid: Im Vergleich mit anderen sieht es oft gering und überflüssig aus, deswegen schaut es sich so viel wie möglich von anderen ab. Es ist ein Nachahmungsstratege, dem die eigenen Ideen schon ausgegangen waren, als er noch gar keine hatte.

Es ficht ihn nicht an, wenn es im Vorbeigehen wertvolle Pflanzen knicken muss, aber das dürfen nur seine Herren sehen, die in regelmäßigen Abständen Tötungen von ihm verlangen. Trophäen sammelt es, aber heimlich. Nur wenige – darunter die, die ihn erpressen, weil sie die Leichen im Keller kennen – dürfen in seinen Schatzschrank blicken. Alle anderen sehen ihn beim Begräbnis der getöteten Blume, wie es der Toten einen Blumenstrauß hinterher wirft. Das macht es aber wirklich nur, wenn andere das mitbekommen. Sonst macht es ja keinen Sinn.

Das Fettauge, das eine Reihe von Eigenschaften mit dem Korruptionsempfänglichen teilt, lebt im „als ob“. Es präsentiert, aber wirkt und produziert nicht selbst. Es schleimt und tritt, ist hörig und brutal zugleich – eine gute Besetzung für das organisierte Räubertum. Ihm wurde ein kleines Gärtchen in die Obhut gegeben, wo es töten und wildern darf, so viel es will, solange es genug Äpfel und Möhren zum Essen an die Zentrale liefert. Tatsächlich verdorrt sein Garten und die Nachbarn tuscheln schon. Allein es glaubt, der Schein trüge noch, wohlwissend, dass irgendwann alles Wüste wird. Bis dahin sieht es das Fettauge als seine Aufgabe an, so viel herauszuholen, wie es eben nur geht, und wenn das nicht mehr geht, so zu tun, als habe es mit alledem nichts zu tun.

Das Fettauge, dass von Beerdigung zu Beerdigung schreitet und seiner Umgebung die Taschen mit Lügen füllt, hat bereits ausgelebt. Es wird schwer für ihn werden, sich wiederzufinden.


#7 Der Wertevolle

Der wertevolle Bewerter, er steht im Mittelpunkt der Welt. Und es ist oft ein Er. Er weiß zu gut, was seine Bewertungen wert sind - er spürt es ganz deutlich, wenn seine Lippen den Rand des Rotweinglases berühren; wenn er aus den Augenwinkeln heraus erkennt, wie ihm lächelnd Sympathien und die Anerkennung zufließen. Gerne sitzt er beim besten Italiener der Stadt und hält Hof.

Nachdem die Bedienungsprozedur vorbei ist und die Gäste rund um den Wertevollen ihre ersten Bissen zerkaut haben, erscheint der Sizilianer auf der Bühne. Das lässt er sich nicht nehmen. Der Sizilianer kommt extra aus der Küche, denn es ist der Wertvolle, der da mit seinen guten Freunden Pizza isst.

Den Wertevollen sehen Sie fast nie alleine kommen, und wenn doch, stören Sie ihn nicht, denn dann denkt er sich gerade eine neue Bewertung aus. Grundsätzlich aber ist er gesellig, und so, wie die Geselligkeit auf ihn angewiesen zu sein scheint, so ist es wohl auch umgekehrt. Was wären Perlen ohne Säue, was ein famoser Bewerter voller Werte ohne Auditorium. Der Bewerter löffelt bereits morgens Weisheit und gleich nach dem Zähneputzen erlässt er die ersten Urteile über richtig und falsch.

Nach dem Frühstück begibt er sich denkend in das Spiegelzimmer, wo die ersten Zuhörer auf ihn warten, klug und geduldig, Abbilder seiner selbst.

Er kennt sich bestens aus im Elfenbeinturm der Wissenschaftssprache und versteht es, sein eingebildetes Publikum mit Wörtern zu beeindrucken. Am liebsten sind ihm die Seltenen, die ein x enthalten. Aber nicht Menschliches ist ihm fremd, deshalb steigt er auch hinab in die tieferen Ebenen des menschlichen Daseins – zum Volk. Dafür steht der Wirt - volkstümlich und exklusiv zugleich. Hier zeigt der Wertevolle, wie nah er am Volke ist, und bitte schön, probieren Sie doch diesen famosen Wein; nein, nicht diesen, aber wenn Sie meinen, naja, da müssen Sie schon einen speziellen Geschmack haben. Ein großzügiges Lächeln huscht ihm über die Lippen. Das Nichtwissen der Anderen… Nein, nichts Menschliches ist ihm fremd.

Am Nachbartisch schaut verstohlen ein junges Paar auf die sympathische Gruppe in mittlerem Alter, in deren Mitte der gut aussehende Mann mit den angegrauten Schläfen das Wort führt. Dem Wertevollen entgeht keine Äußerung, der er nicht seinen Stempel aufzudrücken wüsste. Oft heiter, manchmal aber auch ernst. Es muss wohl jemand Besonderes sein, denkt das Paar. Gut, dass wir hier verkehren, hier passen wir hin.

Auch der Wirt freut sich über seinen Gast, den er fast schon kameradschaftlich bewirtet, aber immer mit der kleinen Distanz, die ein schlauer Diener einzuhalten weiß. Denn der Wertevolle ist nützlich: Er versprüht nicht nur Bewertungen, er hat auch selber einen Wert. Seine Empfehlungen, und wenn es nur um Pizza geht, haben die magische Kraft eines Urteils: Da ist nichts mehr anzuzweifeln! Hat er gesprochen, weiß der Zuhörer: Ganz klar, wir müssen bei diesem Wirt essen, denn dort geht man ja wohl hin, wenn man in dieser Stadt lebt, sonst hätte der Bewerter ihn ja nicht empfohlen.

Der Wertevolle nimmt es aber auch gerne mit den großen Themen auf: Jeden politischen Schachzug weiß er zu werten, jeder kluge Gedanke stammt im Grunde genommen von ihm (das habe ich doch schon vor zehn Jahren gesagt!), und es ist fast schon geistiger Diebstahl, wenn ein anderer es ausspricht. Zu hundert Prozent weiß er, wie sich die Welt um ihn dreht, er ist immer der Schlaue und der Weltgewandte, und Ruhm und Reichtum fließen ihm wie selbstverständlich zu. Kommt es dennoch einmal zu einer Meinungsverschiedenheit, winkt er mit großzügiger Geste ab. Müssen wir wirklich darüber reden?

Neulich verlor der Wertevolle seinen Besitz, dabei hatte diese undankbare Wegläuferin ihm doch alles zu verdanken. Aber irgendwie war der Besitz überfüllt von seiner Klugheit und fiel ab wie eine vollgesaugte Zecke. Für ihn, den Wertvollen, war das fürchterlich und tragisch, im Grunde genommen Verrat. Allein die Gewissheit, dass das freigezappelte Besitztum ohne hin ein kümmerliches Leben leben wird, und er selbst in seiner eigenen wertvollen Fülle weiterschweben würde, hielt sein Gesicht über Wasser in einem weiten Tränenmeer aus Selbstmitleid und Zorn. Welche Albernheit, sich aus seiner Macht zu lösen?! Die Bestrafung für die Abtrünnige war entsetzlich. 


#6 Der Text

Es ist ein Irrtum, zu glauben, der Text sei eine Sache, etwas ohne Emotionen. Weit gefehlt! Der Text hat eigene Gefühle, vor allem dieses: Er hat es immer schwer. Immer. Auch heute, wenn er aus dem Bildschirm heraus auf seine Schöpferin blickt. Es ist doch eine Sie? Sicher kann sich der Text nicht sein. Er kann gut nach innen blicken, aber von seinen Urhebern sieht er ebenso wenig wie von seinen Lesern. Er ist fast blind und stumm. Das weiß er allerdings nicht.

Der Text sieht noch schlechter als seine Urheberin. Was die sich manchmal einbildet! Meint, alles zu wissen… Gar nichts weiß sie. Vor allem nicht, wie schlecht es dem Text mal wieder geht. Wie so oft…

Aber Halt, Miesepeter! Es gibt helle Momente. Wenn sich Buchstabe an Buchstabe reiht, blüht er förmlich auf. Dann plötzlich eine Pause. Der Text schreit: „Bitte nicht! Bitte nicht schon wieder eine Pause!“ Es rattert. Ah, der Drucker. „Aber ich bin doch noch gar nicht fertig? Viel zu früh für einen Ausdruck. Was soll das? Du kannst mich noch veredeln!“ Aber niemand hört ihn.

Eine lange Pause.

Vermutlich liest sie mich gerade, denkt der Text. Wie sie mich wohl findet? Der Text ist manchmal etwas eitel.

Jetzt hört er, wie die Autorin Papier zusammenknüllt. Ein Fluchen! Au!!! Der Text landet in einer Ecke. Sie ist nicht zufrieden :-(  

Und er? Ist nicht mehr.

Aber es geht immer weiter. Er hört die Tasten der mechanischen Tastatur. Die Tastatur ist seine Freundin, sie ist laut und sinnlich. Die Wörter krachen förmlich in das Dokument und leuchten auf dem Bildschirm auf. Sie lässt es krachen, kichert der Text, und genießt wie ein Katze das Kraulen, wie sich Wörter um Wörter und Sätze um Sätze kringeln.

Aber das eigentlich Drama des Textes ist nicht die Entstehung, sondern das, was danach kommt. Per Mail verschick sie ihn. Ich bin so gut, denkt der Text, dass die Chefredakteurin mich persönlich lesen sollte. Gewiss wird er das tun. Dann werde ich gedruckt und tausendfach verbreitet. Meine Schöpferin bekommt Geld, kann sich was zu essen kaufen, und einen neuen Text schreiben. So könnte es sein. Doch leider befindet sich der Himmel nicht auf Erden.

Heute schafft der Text nicht einmal die erste Hürde. Er landet in einem großen anonymen Postfach unter Hunderten anderer Texte. Irgendein Angestellter – weiß Gott, wie er an diesen Platz gekommen ist – sollte das Postfach pflegen, aber er vergisst es.

Stunden vergehen, bis überhaupt mal jemand hineinschaut. Jetzt aber, jetzt müsste dieser Angestellte ihn entdecken. Zwei Klicks, und er würde sich auf Augenhöhe mit der Chefredakteurin befinden. Die würde staunen, die Mail augenblicklich an ihren Deskchef weiterleiten, versehen mit einem kleinen, aber unfassbar wirkungsvollen Kommentar: Unbedingt morgen drucken. Drei Ausrufezeichen.

Aber heute ist nicht so ein Tag, und der Text ist sich nicht einmal sicher, ob es so einen Tag überhaupt jemals geben wird. Ein paar Angebertexte haben davon berichtet, dass es ihnen so ergangen sei. Das Millionenheer der „normalen“ Texte jedoch… Ach, sie müssten lügen, würden sie sagen, dass man sich um sie gerissen hätte.


#5 Die Versprechensbrecher

Versprechensbrecher sind entweder einzelne Menschen oder Gruppen. Es gibt sogar ganze Versprechensbrechersysteme. In solchen Fällen sprechen Verbrechensbrechersoziologen und -politologen von der postideologischen Versprechensbrecher-Gesellschaft.

Versprechensbrecher leben in einer Symbiose mit Versprechensreinfallern. Das sind die Erleider der Versprechensbrechung. Sie unterscheiden sie dadurch, dass der der Versprechensbrecher weiß, was er tut, während der Erleider seine Rolle negiert. Bemerkt er aus Versehen dann aber doch, dass er einem Versprechungsbruch zum Opfer gefallen ist, bemerkt er manchmal auch die anderen Fällen. Er erkennt sich dann wahlweise in einer Gesellschaft der Betrüger, der Ehrenlosen, der Leichtsinnigen oder der Empathielosen - je nachdem, wie scharf er diejenigen beurteilt, von denen er sich reingelegt fühlt. Manchmal entwickelt er sich im Zustand der Desillusionierung eine politische Radikalität oder wird zum #Verschwörungstheoretiker.

Aber nur selten, denn in der Regel fällt der Versprechensreinfaller schon bald zurück in seine ursprüngliche Rolle und erduldet schon bald den nächsten Versrpechensbruch.

Immer und immer wieder.

Manchmal bekommen Versprechensreinfaller Hilfe von außen, wobei diese Hilfe das Gift der Erkenntnis in sich trägt und zu schweren Erschütterungen führen kann. Nicht jede #Augenöffnerin kommt mit guten Absichten. Manchmal ersetzt er alte Vesrechungen einfach mit neuen, um sie zu einem späteren Zeitpunkt zu brechen. Augenöffner und Versrechensbrecher existieren zuweilen in einer einzigen Person.

Die Augenöffnerin entführt ihn an einen geheimen Ort, wo nichts mehr wahr erscheint und alles nur noch aus schöner Illusion besteht. Hier existieren ausschließlich Wünsche, die aus den tiefsten Tiefen des Herzens nach oben schnellen, und Versprechungen, die sich jeder Logik widersetzen. Selbst die heftigsten Widersprüche erscheinen als süße Täuschung und säuseln „Harmonie“. Die Widersprüchlichkeit selbst erscheint plötzlich in verlockendem Licht und sein Verhalten passt sich an: „Ich manipuliere dich“, hört er aus der Ferne. „Egal“, antwortet er, als sei er auf einer Odysee zur Insel Anthemoessa. „Solange es sich gut anfühlt.“

Bis eine Tür zuschlägt und er bemerkt, dass er ganz alleine im Raum steht, bekleidet nur mit einem durchsichtigen Gewand aus Naivität. Die Neonlampen flackern ein paar Sekunden, dann dringt das grelle Licht der Erkenntnis mitleidslos auf die Netzhaut. Die falschen Versprechungen geben sich schamlos als solche zu erkennen. Ganz kurz nur, aber der helle Moment reicht aus, um die folgende Typologie zu erstellen:

Es gibt drei Versprechensbrecher-Haupttypen und zahlreiche Zwischentypen. Der Einfachheit halber konzentrieren wir uns auf die Haupttypen. 

  • Der Soldat. Er meint es ernst, weil er sich verpflichtet fühlt. Dummerweise verspricht er etwas, ohne darüber nachzudenken, was er gerade versprochen hat. Sobald das Wort seinen Mund verlassen hat, arbeitet er mit aller Macht an der Umsetzung des Versprechens. Er ist überzeugt davon, sein Versprechen halten zu können, kann es tatsächlich aber nicht, weil die Umstände dagegen sprechen. Er hätte sie vorher berechnen müssen, dann hätte er gesehen, dass er das Versprechen nicht hätte geben dürfen. Am Ende enttäuscht er den Versprechensnehmer und sich selbst. Er schießt sich dann, um der Ehre genüge zu tun, eine Kugel in den Kopf oder schlitzt sich den Bauch auf. 
  • Der Kokette. Er ist das Gegenteil des Soldaten und meint es bei der Versprechensgebung nie so ganz ernst. Er spielt mit dem Versprechen, das wie ein kleines Kunstwerk über ihm schwebt und ihn stets begleitet, aber nicht erfüllt werden muss. Im Gegenteil: Die Erfüllung würde dem Versprechen den Zauber nehmen. Der Versprechensbrecher lässt es einfach offen und genießt gemeinsam mit dem Versprechensnehmer (beziehungsweise Versprechensreinfaller) den spannungsgeladenen Moment des Flirts. Das Versprechen ist in diesem Fall ein Geschenk, verabreicht von einem fröhlichen Tänzer, der sich immer dann am besten entfaltet, wenn er einen besonders naiven Versprechensreinfaller umgarnt. 
  • Der Nutznießer. Er setzt das Versprechen ein, um sein Gegenüber in seinem Sinne und zu seinem Zwecke zu beeinflussen. Auch hier ist es nicht weiter von Belang, ob das Versprechen tatsächlich eingelöst wird, sehr viel wichtiger sind die Folgen, die das Versprechen im Versprechensnehmer auslösen – zum Wohle des Nutznießers. Allerdings berechnet zumindest der Profi unter den Versprechensgebern sehr genau die Konsequenzen der Nichterfüllung. Wenn er sie nicht in Kauf nehmen will, erfüllt er sein Versprechen oder tut so, als würde er es erfüllen, oder entschuldigt sich, weil die Umstände so seien, dass er es nicht erfüllen kann. Oder er tut so, als könne er sich nicht mehr an die Versprechungsgebung erinnert. Der Nutznießer ist ein berechnender Typ und findet das auch gut so. Er formuliert seine Versprechen eher vage und niemals schriftlich. So entgeht er Sanktionen, die auf ihn hereinbrechen könnten, würde der Versprechensbruch amtlich werden. Der Nutznießer spielt zuweilen auch in der Liga des #Betrügers.  

Versprechen sind nicht alle gleich schwer. Schwere Versprechen, wie sie zum Beispiel im Hinterzimmer von Ganovenkneipe oder auf den Fluren politischer Konferenzen abgegeben werden, entwickeln eine schwere Last. Der Soldat als Geber und der Naive als Nehmer sind dieser Last besonders stark ausgesetzt und bezahlen mit dem Leben. Der Nutznießer hingegen – ein erstaunliches Phänomen! – spürt selbst das allerschwerste Versprechen nicht, weil er in Gedanken immer bei den Vorteilen ist, die ihm aus der Versprechensgebung erwachsen könnten.

Dem Kokette dagegen ist die Last so leicht, dass er damit jonglieren kann. Solange das Versprechen unerfüllt in der Luft schwebt, belastet es ihn nicht. Der Versprechensreinfaller erwachsen in der Regel keine großen Nachteile, im Gegenteil, er profitiert sogar im Augenblick von der Heiterkeit, die der Kokette versprüht.


#4 Mein Freund Gregor

Hat Gregor resigniert? Nein. Er wirkt nur so.

Oder er hat, merkt es aber nicht. Oder will es nicht wissen. Oder weiß es, verbirgt es aber.

Ein bisschen, ein kleines bisschen hat er schon. Die ihm gut sind, spüren diese leichte Selbstaufgabe. Sie kommt im Gewand der Gleichgültigkeit daher, eine unangestrengte Coolness, ja, vielleicht sogar Abgeklärtheit.

Wer ihm weniger gut ist, verschubladet ihn als ein bisschen dumm oder gefühlskalt. Hier ist Einspruch dringend geboten! Gregor ist klug und sehr empathisch. Er inhaliert die Gefühle anderer Menschen.

Dieses Bild hat sich mir eingeprägt: Wie er am Kai stand und die Fähre in der Ferne schwinden sah. Er blickte ihr nach und doch an ihr vorbei. War es Melancholie? Ein innerer Abschied, als zöge mit der Fähre seine Liebste für immer davon?

Nein, es war anders. Wohltuend sinnentleert. Er zog an seiner Zigarette als atme er Freiheit. Tatsächlich atmete er das Nichts. Ein transzendentaler Moment.

Gregor spricht nicht viel, selbst wenn er etwas zu sagen hätte. Es lohnt sich nicht. Konversation endet immer an einem toten Punkt.

Wäre Gregor noch mal jung, wäre er genauso alt wie jetzt auch. Er ist immer Mitte 40 bis Mitte 50. Seine Mimik beschränkt sich auf wenige Ausdrücke, die überdies etwas trocken wirken. Wenn er lächelt, möchte man weinen. Aber er probiert es immerhin, weil er gehört hat, dass ein Lächeln anderen gut tut. Ein kleines Geschenk an die Menschheit.

Gregor ist ein kompatibles Einzelgängerformat, das beliebig viele Paarungen eingehen könnte, wenn es sich ergeben würde. Tatsächlich ergibt es sich eher selten, aber sehr viel häufiger als man meinen möchte. Wenn es sich ergibt, verliert er sich nicht, weil ihm in früheren Jahren zu oft das Herz gebrochen wurde. Das ist zum Glück vernarbt.

Nicht, dass Gregor nicht lieben könnte. Aber weil er sowieso nicht die bekommt, die er liebt, muss er sich auch nicht sonderlich anstrengen. Er nimmt einfach die, die ihn liebt, oder die ihn aus praktischen Gründen erwählt, weil er passabel aussieht, halbwegs gutes Geld verdient, eigentlich sehr nett ist und der Mieter aus der Nachbarwohnung ist. Dann kann man ja auch gleich zusammen in Urlaub fahren.

Nicht so gut passt er zur Lebensheischenden (siehe unten) - da hat er gewisse Vorbehalte, die er aber nicht weiter definieren möchte. Umso besser funktioniert es mit dem Rasenmähermann (siehe unten). Seine Favoritin ist aber - er kann es sich selbst nicht erklären - die Trauerklößin (siehe unten).

Gregor lebt in der unvollendeten Vergangenheit. Er HAT geliebt und trägt es immer noch ein wenig mit sich herum. Er HAT gute Ideen gehabt, aber sie wurden ihm gestohlen. Er HAT die Welt verstanden, aber jetzt will er nichts mehr von ihr wissen. Sie HAT leider ihren Glanz verloren.

Eine Sache aber ist vollendet: Er HATTE seine Momente. Die sind definitiv vorbei. Darauf ruht Oskars Glaubenssatz, der einfacher ist als die Dreifaltigkeit: Es ist vorbei und kommt nie wieder.

Gregor ist kein Misanthrop und weiß sehr wohl, wie sich die Welt genießen lässt. Wenn er in Stimmung ist, geht er gut essen und trinkt ein bisschen mehr als sonst.

Zweimal hat er sich schon mit dem Gedanken beschäftigt, vegan zu werden. Aber es war nur so ein Gedanke und seiner Umgebung geschuldet, die sich veganisiert.

Dreimal hat er durchgespielt, wie es wäre, sich das Leben zu nehmen. Aber auch das regte ihn nicht sonderlich auf. Also ließ er es.

Gregor braucht keine Bestätigung von anderen Menschen. Er ist halbwegs zufrieden mit sich, und wenn er es doch mal nicht ist, schiebt er die Unzufriedenheit einfach beiseite. Wen interessiert es schon wie ich bin und auf andere wirke? Mich nicht.

Er macht sich keine großen Gedanken über sein Äußeres, hinterlässt aber stets einen ordentlichen Eindruck. Er hätte gerne etwas mehr Freude am Leben, aber nicht zu viel, weil zu viel davon ihren Preis hat. Er will nicht mehr zahlen.

Ich bin nicht Gregor. Aber es könnte sein, dass er in meinem Inneren eine Abstellkammer bewohnt und mich warnt: Werde nicht so! Anzeichen einer Gregorisierung bekämpfe ich augenblicklich und mit aller Macht.


#3 Die Trauerklößin

Selbst wenn sie in einem reichen Land leben würde, wäre die Trauerklößin arm dran. Hinter der Fassade des heiteren Lebens und des kecken Lächelns verbirgt sich ein tiefer Brunnenschacht, in das die Trauerklößin für Stunden, manchmal sogar mehrere Tage versinkt.

Es gibt mindestens genauso viele Trauerklöße wie Klößinnen. Das Trauerkloßentum ist nicht geschlechtsgebunden. Es existiert in allen erdenklichen Formen. Mal ist es die begrenzte Auswahl an Gewürzen, was ihr den Atem nimmt. Mal sind es die Erwartungen des Kochs, die sich so gar nicht mit den ihren decken wollen. Immer ist es eine Art von Freiheitsbeschränkung.

Die Trauerklößin ist auch dann einsam, wenn sie in Gesellschaft ist. Die sie allerdings meidet, wenn es wieder so weit ist. Dass es „so weit“ ist, kann zu jeder Stunde, jeder Tages- und jeder Jahreszeit eintreten. Es gibt allerdings individuell unterschiedliche Auslöser, denen die Trauerklößin gerne aus dem Weg gehen würde, aber nicht kann.

Dass sie zeitweise in düsteren Brunnenlöchern lebt, bedeutet nicht, dass jede Trauerklößin über kurz oder lang verloren ist, jedenfalls nicht mehr oder weniger als jede(r) andere auch. Manchmal ist es einfach nur das Auf und Ab des Lebens, dass die Empfindsamen unter den Klößen - Trauerklöße sind immer sehr empfindsam - stärker spüren. Bei den Hochs ist das ein lebenslustiges Vergnügen, die Tiefs hingegen bergen eine gewisse Gefahr. Man weiß ja nie, ob man wirklich wieder raus kommt…

Generell ist es verboten, humorvoll über das Trauerkloßentum zu schreiben und zu sprechen. Die Kommunikation über diesen wiederkehrenden Seelenzustand erfolgt in der Regel gar nicht oder stark formalistisch, etwa in der Wissenschafts- oder Medizinersprache. Da das Trauerkloßentum mit Leid verbunden ist, verbieten sich ironisierende Darstellungen, es sei denn die Betroffene schreibt über sich selbst. Das Thema lässt sich auch nicht wirklich gut vermarkten, schon gar nicht, wenn das Trauerkloßentum im tiefen Schacht und ohne glücklichen Ausgang endet. Eine sentimental abgeschwächte Darstellung mit Happy End wiederum ist durchaus gefragt, vor allem in der Ratgeberbranche und in der fiktiven Literatur.

Das Sprechen über sich selbst verbietet sich also eigentlich, das weiß sie nur zu gut. Wer seelische Düsternis artikuliert, schafft in der Regel Verwirrung. Gute Laune verwandelt sich in betroffenes Schweigen, die Party ist dann vorbei. Wer ein rauschendes Fest feiern möchte, sollte die Trauerklöße herausfiltern und nicht einladen. Sie können zwar in guten Stunden glänzende Stimmung verbreiten, wenn es aber mal wieder so weit ist, ziehen sie ihre Umgebung nach unten.

Nicht jeder erkennt eine Trauernde. In der Regel erkennen sich Trauerklöße aber untereinander am Blick. Sollte sich einem eine Trauerklößin eröffnen, ist es in der Regel besser, keinen Rat zu geben. Oft reicht ihr schon ein offenes Ohr. Oder noch besser: Einfach in Ruhe lassen. Das lindert den dumpfen Schmerz.

Nicht jedertrauerklößins Sache sind Trostsprüche. So wie: „Aber ALLES im Leben geht vorüber, und das gilt auch für diese schwierigen Zeiten.“

„Das wird schon wieder.“

„Wer nie scheitert, entwickelt sich nicht und kann auch nicht glücklich werden, denn ihm fehlt die Erfahrung der eigenen Stärke.

Du meine Güte! 

Der Düsternis voraus gehen häufig Verluste. Oder Erinnerungen daran. Vertraute Freundinnen und Freunde sowie enge Verwandte wissen manchmal davon. Aber die abgrundtiefe Schwärze lässt sich kaum nachempfinden. Deshalb schwebt jede Trauerklößin in ihrer eigenen Seelenbrühe.

Befindet sie sich im Tief, darf sie hoffen: Aufhellung kommt mitunter schon nach wenigen Stunden oder mit dem nächsten Tag, wenn neue Herausforderungen auftauchen. In der Arbeit geht sie dann auf. Das ist wie ein Brett, mit dem sie das schwarze Brunnenloch einfach überdeckt. Gelingt das nicht, ist es, als ob die Trauerklößin in diesem tiefen, dunklen Brunnen stecken bleibt und absolut keinen Ausweg mehr sieht.

Es wäre naiv, zu glauben, man selbst habe keinen solche Brunnen vor der Tür. Es ist aber besser, er findet Dich nicht.

Warnung an alle Kinder: Dieser Lexikoneintrag zur Lumpenlese gehört zu den Traurigsten aller Einträge. Es wäre vielleicht besser gewesen, ihn nicht zu lesen. Der nächste wird wieder besser.


#2 Die Lebensheischende

Auf der Landkarte der Sinus-Milieus wird die Lebensheischende vorwiegend im Klecks der Hedonisten verortet, aber Vorsicht: Auch der Erlebnismensch schleppt schwere Gedanken mit sich herum, die mitunter noch dunkler sind als die Denkwolken professoraler Nihilisten. Im Gegensatz zu diesem benutzt die Lebensheischende aber vorzugsweise schön gemustertes Geschenkpapier in fröhlichen Farben, in welches sie sorgfältig das Leben einwickelt. IHR Leben: Denn es gibt nur dieses eine.

Traurige Schriftsteller lieben diesen Typ: Sie wickeln das Leben der Diesseitsgewandten aus wie ein Geschenk der Inspiration und schreiben dicke Romane darüber, als hätten sie diesen Menschen tatsächlich kennen oder lieben gelernt. In der Leichtigkeit der Lebensheischenden erkennen sie im Kontrast ihre eigene Größe und ihr historisches Gewicht.

Das Epizentrum der Lebensbejahung befindet sich am Glühweinstand unterm Riesenrad des Weihnachtsmarktes. Wo auch immer Menschen sich zu einem Knäuel verbinden und vielfältige Geräusche und Gerüche austauschen, möchte sie sein und gute Laune empfangen und versprühen. Das Leben ist eine große Party, und das Motto dazu hat sie sich unter die Haut tätowiert: Man lebt nur einmal. Deshalb: Lebe den Moment. Weil: Das Leben ist zu kurz für irgendwann. Summa summarum: Liebe, lebe, lache. Für stillere Stunden: Hör auf dein Herz. Im epischer Breite: Tu was du liebst, lebe den Moment, glaube an dich, sei du selbst.

Bevorzugte Stellen der Tätowierungen auf dem Körpergelände sind Oberarm, Schulter und Fußknöchel. Waden, Po und Oberarme sind für diesen Typ nicht tabu, aber weniger attraktiv.

Die Welt der Lebensheischenden erscheint hell und lustig. Was kaum einer sieht, ist das flimmernde Ende der inhalierten Lichterstrahlen, die in trauriger Unerfülltheit verglühen. Doch wäre die Lebensheischende nicht die Lebensheischende, würde sie es dem Autor dieser Zeilen nicht verbieten, das tränengetränkte Verschmieren der Schminke zu verschweigen.

Fröhlich sein! Und zu diesem Zustand gehört die Vorbereitungsphase zuhause. „Bitte, schreiben Sie doch davon!“

Zu den bevorzugten Vorbereitungsinstrumenten gehören der Kühlschrank, wo der prickelnde Prosecco lächelnd wartet, der Spiegel, der die Verwandlung eines funktionstüchtigen Menschen in sein lebensumarmendes Gegenbild dokumentiert, und das Smartphone, über das die gesamte Logistik abgewickelt wird (Verabredungen, Tickets, Aufbau von Vorfreude durch Austausch von Emojis).

Der Vollständigkeit halber muss ich trotzdem noch einmal zurückkommen zur Schattenseite: Wenig beleuchtet sind in den einschlägigen Texten zur Lebensheischerei die Einsamkeit dieses Menschentyps. Tatsächlich ist diese eine getreue Begleiterin, die einige wenige sogar bewusst suchen und nutzen. Sobald die Vergnügungssuchende auch nur einen Zipfel davon zu greifen bekommt, tut sie alles, um ihn ganz schnell wieder loszuwerden. Es ist eine Art der Energieerzeugung: Durch die Diskrepanz von Einsamkeit und Trubel entsteht jene Spannung, aus der die Lebensheischende Kraft schöpft zur nächsten Runde im fröhlichen Lebenskarussell.

 

Lebensheischende Menschen - sie existieren in allen möglichen Geschlechtsformen - werden von Leseratten und Gregorisierungsgeschädigten (siehe oben) mitunter diskriminiert. Sie werden als oberflächlich und ein bisschen dumm dargestellt. Das stimmt aber nicht. Richtig hingegen ist, dass die Lebensheischende ungern Rasen mäht oder Rosen schneidet (siehe unten: Der Rasenmähermann). Die Lebensheischende versteht sich als urbaner Typ, der aber auch in der Kleinstadt und am Badestrand die Welt erkennt.


#1 Der Rasenmähermann

Es beginnt vor Ostern im April, aber wenn die Rosen erstmals im Jahr ihre blühende Kraft entfalten, kann man ihn besonders oft am Werke beobachten. Das Gras wächst jetzt besonders schnell und es gibt Samstage, da sind vier von fünf Rasenmähermänner mit Garantie auf der Wiese. Es brummt aus allen Gärten. Im Hochsommer legt sich der Rasenmähersturm, aber bis in den Herbst hinein vergeht kein Tag, an dem in der Eigenheimsiedlung nicht irgendwo ein Elektro- oder Benzinmotor Gras zerschneidet und Insekten zerteilt. Der Mäher schiebt sein Gerät im fortgeschrittenen Jahr mit einer gewissen Routine, weil er die ersten Übungsläufe schon hinter sich hat. 

Es gibt zwei Methoden, die fast 100 Prozent aller Rasenmähermännerfälle abdecken. Die erste, genannt die Streifenmethode, bewegt ihn in geraden Linien auf und ab. Streifenförmig verändert sich die Farbe des Rasens, wobei der hell gemähte Anteil im Vergleich zum vom Schatten der Halme leicht verdunkelten Grünanteil wächst.

Die zweite Methode, genannt die Spiralenmethode, wirkt verspielt, weil sie sich von außen nach innen in immer kleineren Kreisen einem Mittelpunkt zubewegt, der vom Rasenmähermann auch als Höhepunkt empfunden wird. Streifenmethodiker lehnen diese Vorgehensweise heftig ab, weil ihr auf den ersten Blick die Ordentlichkeit fehlt. Auch wenn die entstehende Spirale gleich einem Schneckenhaus eine Systematik aufweist, bleiben an den Ecken Grashalme stehen, die der Maschinentreiber dann noch einmal extra wegmähen muss. Dabei ist er gezwungen, von seiner Methode abzuweichen, weil sich die kleinen Ecken nicht im Kreis niedermähen lassen.

Der Rasenmähermann ist gut zu hören, aber nicht so gut zu sehen. Nicht dass er scheu wäre, aber oft sind die Rasen, die er pflegt, hinter hohen Büschen verborgen. Dennoch ist er einfach zu finden, weil das dröhnende Geräusch insbesondere der Benzingeräte ganze Straßenzüge weit zu hören ist.

Manche Geräte sind elektrisch und damit etwas leiser. Der Sound der Benziner, und das ist unter Rasenmähermännern anerkannt, ist besser und riecht nach was. Einige Geräte haben einen Extra-Antrieb. Solche Maschinen deuten darauf hin, dass der Garten Steigungen hat oder der Rasenmähermann schon etwas betagter ist. Die Geräte sind oft rot, manchmal grün.

Ob Benzin- oder Elektrotyp, Streifen- oder Spiraltyp: Der Rasentraktor wird von allen verehrt. Hier ist der Mäher nicht mehr Diener der Grashalme, sondern König. Auf seinem Quad sitzt er wie auf einem Thron. Das lohnt sich allerdings nur bei großen Gärten, weil der Traktor einiges kostet.

Verpönt sind zumindest unter Traditionalisten Rasenmäher-Roboter. Das sind kleine Scheiben, die sich nahezu geräusch- und geruchlos und ohne Kapitän in scheinbar totaler Systemlosigkeit zickzack durch den Garten bewegen. Wenn ihr Akku leer ist, steuern sie brav die Ladestation an. Ist der Akku voll, machen sie sich wieder auf die Reise. Für Kritiker des Internet-Zeitalters ist der Rasenmäher-Roboter der Inbegriff des Zusammenbruchs aller Kommunikation unter den Menschen. Es gibt aber auch schon viele Anhänger dieser 4.0-Methode, sonst stünden die Geräte ja nicht zum Verkauf.

Der Rasenmähermann tritt vereinzelt auch in weiblicher Form auf. Er ist gesellig und trägt gerne ein kariertes Hemd mit kurzen Ärmeln. Wenn Sie ihn von der Straße aus über den Gartenzaun beobachten, kann Ihnen das Glück widerfahren, dass er die Maschine abstellt und zu Ihnen kommt, um ein Schwätzchen zu halten.

Wenn es heißt ist wie im vergangenen Sommer 2018, ist der Rasenmähermann traurig. Der Rasen verdorrt. Es gibt nichts mehr zu mähen.