Website des Journalisten Johannes M. Fischer
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Gedanken zur Zukunft des Journalismus

Die Kunst im Werden. Der klassische Journalismus ist Ergebnisjournalismus. Immer noch. So ist es in der Politik (Pressekonferenz!), so ist es in der Kultur. Die Premiere ist das Hochamt der Berichterstattung. Kunst im Werden verfolgt den umgekehrten Weg: Im Mittelpunkt steht der Prozess und die Frage: Wie entsteht so ein Kunstwerk eigentlich? Ob und wie hoch die jeweilige Kunst gefördert wird, spielt bei der Auswahl der Werke keine Rolle. 

Fiktion. Hier ist alles frei erfunden, Personen ebenso wie Handlungen. Anleihen an realen Gegebenheiten sind aber erlaubt, es geht auch gar nicht anders, denn bekanntermaßen "all the world's a stage, and all the men and women merely players". SIEHE UNTEN



Kunst im Werden #6: Die Libelle mit dem Semikolon (Künstlerin: Franzi Biester)


Es gibt Texte, die sollten nicht geschrieben werden. Oder vielleicht sollten sie unbedingt geschrieben werden, weil sie sich so sehr gegen das geschrieben werden wehren. Das ist so ein Text: Ich will es unbedingt, aber es fällt mir schwer. Einen wirklich guten Grund dafür finde ich nicht.

Das Material der Künstlerin, deren Werk im Werden hier beschrieben werden soll, sind Wörter, ihr Thema die Darstellung von Gefühlswelten, ihr Stil emotional. Meistens Prosa, aber auch Lyrik. Manche LeserInnen sind hin und weg, erkennen sich laufend wieder in den Blogeinträgen des „Stattstadtmädchens“ Franziska Biester. Andere finden es sehr, nein zu persönlich, sprechen von Seelenstriptease. Wieder anderen klingt es zu sehr nach Lebensweisheit, während eine weitere Gruppe genau das an den Texten schätzt. Eine ganz normale Bloggerin eben, die sich mit der Zeit einen guten Bekanntheitsgrad erarbeitet und viele Fans hat, ohne dass sie dieses Ziel je angestrebt hätte, geschweige denn von Arbeit reden möchte, wenn sie über das Schreiben spricht. Ihre Veröffentlichungen folgen keiner Regelmäßigkeit. Sie schreibt, wenn ihr danach ist, dann drückt sie auf die Enter-Taste und der Text steht im Internet.

Was also, frage ich mich, soll daran so kompliziert sein, Franziska Biesters „Kunst im Werden“ vorzustellen?

Die Fragen gehen mir nicht so einfach von der Zunge wie sonst. Ich ringe um die richtige Distanz. Mir ist, als müsse ich besonders vorsichtig sein. Dass das nicht so ist, ergibt sich erst im Verlauf des Weges, dann aber wie von selbst. Wir laufen durch den Steigerwald in Erfurt, es ist der Weg, den Franzi – wir duzen uns – häufig mit ihrem Vater gelaufen ist. Ihr Vater ist so was wie ein Nordstern in ihrem Leben. Er ist tot, und obwohl oder gerade weil er nicht mehr lebt, wurde er zu einer wichtigsten Quelle, aus der Franzi ihre Inspiration schöpft. Vermute ich, aber sicher bin ich mir nicht. Vermutlich ist es komplizierter.

Franzis Quellen. Mir kommt es so vor, als bestünden sie in erster Linie aus großen Schmerzen, aber bei näherem Hinsehen lässt sich erkennen, dass da auch viele andere Farben sind. Hinter ihrem Seelenvorhang finden sich schöne Erinnerungen, heftige Überlebenskämpfen, seelischer und körperlicher Natur. Große Hoffnungen fließen neben einer unendlichen Duldsamkeit, sportlicher Ehrgeiz korrespondiert mit seelischer Wärme. Werden und Vergänglichkeit, Zerbrechlichkeit und Stärke, Selbstbespiegelung, Extrovertiertheit, Liebe und Trost. In den Texten der Autorin, oft begleitet von sehr schönen Fotos, spiegelt sich einfach zu viel von allem wieder, als das noch klar erkennbar wäre, ob die Geschichte gerade zu einem guten Ende steuert oder es doch eher in einen Abgrund führt. Der Schluss ist in der Regel zwar immer versöhnlich, aber manchmal wirkt das gute Ende einer Geschichten wie eine phi­l­an­th­ro­pische Geste, die sich um ein Lächeln bemüht, damit sich das Gegenüber nicht in ihrer Wildnis verirrt.

Franziska und ich laufen nebeneinander zwischen den Bäumen, ab und zu kommt ein Läufer vorbei oder Menschen, die ihre Hunde ausführen. Sie wirkt einfach und schwierig zugleich. Einfach, weil sie unkompliziert agiert und reagiert, kompliziert, weil diese verschiedensten Quellen, die ihr das Material in die Feder spülen, bei näherer Betrachtung allesamt doch nur eine einzige sind. Das verwirrt. Was ist jetzt Leid, wo entsteht gerade Hoffnung, wo ist ein Sichzusammenreißen, wo ein Loslassen? Es ist wie ein klares Gewässer, dass im Sonnenschein die Umgebung spiegelt. Jede kleine Kopfbewegung des Betrachters verschafft eine neue Perspektive und damit ein neues Bild mit neuen Farben, aber es ist immer dasselbe Wasser, in das das Gegenüber blickt.

Franzi sagt: „Früher war ich ein Papakind.“ Aber ihre „Bezugsperson“ sei die Mama. Klingt einfach und zugleich paradox. Vater und Mutter gingen getrennte Wege, als Franzi 14 Jahre alt war. Der Kontakt war in den folgenden zehn Jahren eher schwierig, sporadisch. Doch dann, als Franzi Anfang 20 war, entwickelte sich eine neue Beziehung „auf Augenhöhe“. „Wir gingen zusammen auf Lesungen, zum Fußball, haben zusammen gekocht.“ Es waren schöne Jahre, wenn auch zu wenige. Dann bekam ihr Vater Krebs. Die Gespräche gingen in die Tiefe, Themen waren neben vielen anderen auch das Leben und der Tod. Der Krebs schien besiegbar zu sein, aber dann wurde plötzlich ein Gehirntumor entdeckt. Die Tochter konnte dem rasanten Verfall zusehen. Es war ein Tag im Januar und Franzi hatte das Gefühl, bei ihrem Vater im Krankenhaus bleiben zu müssen. Sie bekam ein Bett in seinem Zimmer. Tags darauf kamen noch die Großeltern vorbei. „Ich hielt seine Hand. Die Maschine piepste. Ein sehr tiefer Atemzug. Dann war Stille.“ Ihre Lehre daraus, die sie bis heute verinnerlicht hat: „Wenn du Menschen beim Sterben begleitest, siehst du nur noch, was wichtig ist. Du wirst dankbar für die ganz kleinen Dinge.“

Die folgenden Jahre waren geprägt von vielen Veränderungen. Eine unglückliche Beziehung, der Tod des Großvaters, eine neue Liebe, der Wegzug aus der Stadt (und die Geburtsstunde des Blogs „Stattstadtmädchen), eine Krankheit. Eine sehr schwere Krankheit, die nicht gehen wollte. Eines Tages wachte sie auf und sagte: „Mama, ich will nicht mehr. Ich habe einfach keine Kraft mehr.“ 

Die Mutter rief den Bruder herbei, im Wissen, dass Franzi sehr stark an ihm hängt. Er kam von weit her angereist. „Das war der Wendepunkt“, erinnert sich Franzi. Sie traf eine Entscheidung. Eine für das Leben.

Ihre bisher eher lustig-lockeren Texte bekamen eine Wendung zum Melancholischen, die ihnen heute noch zu eigen sind. Sie flieht dieser Melancholie nicht, sondern nutzt sie, um sich für das nächste Kapitel in ihrem Leben vorzubereiten oder einfach nur, um zu schreiben. In solchen Zuständen „bin ich am kreativsten“.

Wenn sie schreibt, fängt alles mit einem Wort oder einem Satz an, der ihr durch den Kopf spukt. Ihre kleinen Geschichten entwickeln sich erst beim schreiben. „Am Schluss sage ich mir: Ah, das war also in deinem Kopf.“

Wir kommen an einem kleinen Teich vorbei, orientieren uns kurz und schlagen dann einen kleinen Weg ein, von dem Franzi vermutet, dass er uns zum Ausgangspunkt zurückbringt. Wir sprechen jetzt über das Schreiben und entdecken, dass wir ein gemeinsames Freund haben: das Semikolon. Was uns aber unterscheidet: Sie hat es sich auf die Haut tätowieren lassen. Es ist eine Kombination aus Libelle und Semikolon, das Satzzeichen markiert zugleich den Hinterleib der Libelle, wo das Herz des zarten Flugwesens schlägt. „Das Semikolon sagt, hier könnte der Satz auch zu Ende sein, doch der Autor entscheidet, dass es weiter geht.“ Ein Symbol für jenen Zustand in Krankenhaus, als sie „einfach keine Kraft mehr“ hatte und dann noch neu anfing.

Und die Libelle? Ist auch ein Symbol. „Sie ist alt, sie ist schön, sie ist stark. Sie hat eine mystische Bedeutung. Und sie kann rückwärts fliegen.“ Ihre Mutter trägt das gleiche Symbol an gleicher Stelle. Ein Zeichen der starken emotionalen Verbundenheit.

Auf dem anderen Arm trägt sie ein weiteres Tattoo, sehr viel üppiger als die fast skizzenhafte Semikolon-Libelle. Es ist ein Aquarell-Tattoo, das eine mit Pflanzen verwobene Feder zeigt, an deren unteren Ende es sogar einen Tintenklecks gibt. Kontrastiert wird die wuchernde Literaten-Symbolik von Dreiecken und einem Kreis, die dem kreativen Chaos Sinn und Form verleiht.

Wir sind am Parkplatz angekommen und bevor sich unsere Wege wieder trennen, trinken wir einen Kaffee im "Waldkasino". Wir lassen die Schwere hinter uns und kommen zum Alltag. Franzi ist wieder in Erfurt angekommen. Ist neuen Mutes, trotz Verletzungen, wieder in einer starken, liebevollen Partnerschaft. Und sie steht wieder an einer Gabelung. Sie wird ihr Angestelltendasein verlassen und sich selbstständig machen. Sie wird weiterhin schreiben, auch als Journalistin und gegen Bezahlung. Sie wird PR machen, sofern sie hinter den Produkten steht, für die sie wirbt. Sie wird Yogastunden geben und sie wird Traureden halten – eine Tätigkeit, die ihr große Freue bereitet, die sie bislang aber nur nebenbei betreiben konnte.

Sie wird aber auch das Los vieler Freelancer teilen und jeden Tag aufs Neue um Aufträge kämpfen müssen. Sie weiß das.

Aber sie will nicht länger Angestellte sein.

Auf der Rückfahrt, wir haben uns inzwischen verabschiedet, fällt mir ein, dass es fast auf den Tag ein Jahr her ist, dass ich schon einmal in meiner Kolumne „Die gläserne Redaktion“ über sie geschrieben hatte. Zuhause am Computer suche ich den Text noch einmal raus. Es geht dort mehr über ihre Arbeit als Angestellte, aber nicht um sie persönlich. Ein Satz aber passt auch in dieses Stück. Ein passender Schluss für dieses kleine Porträt, denke ich:

„Künstler“ schreibt das Stattstadtmädchen in ihrem Blog, „sind die Dolmetscher unserer Emotionen“. Was sie für wichtig hält: Es sind die Türöffner zur eigenen Gefühlswelt, „die uns sonst in ihrer Fülle verborgen bleiben würde. Sie schließen manchmal einfach eine Tür auf und öffnen uns einen Raum, der in uns versteckt war – von dem wir aber immer ahnten, dass er da ist“. Ein perfekter Türöffner: Er macht auf, kommt aber nicht mit rein, wenn das Ich zu sich selbst tritt.

Hier geht's zum Blog "Stattstadtmädchen - Kleine Alltagsgeschichten"



Kunst im Werden #5: Und dann wird gehängt! (Künstlerin: Susanne Hinsching)

In Text und Film erklärt die Leiterin der Museen in Nordhausen, wie sie eine Ausstellung konzipiert und wie diese Komposition sie auch noch in der Nacht verfolgt.










Es gehört zu den schönsten Häusern der Stadt Nordhausen im Norden Thüringens, erbaut in einer Zeit, als das Großbürgertum aus dem Gewimmel der produzierenden und feilschenden Innenstadt floh und sich sein Wohnviertel etwas erhöht am Rande baute, in gebührender Distanz zu den Gerüchen und dem Lärm des geschäftssüchtigen Verkehrs.

Der Turm der Jugendstilvilla lädt ein zum Blick hinunter auf einen kleinen Park. Manchmal gibt es hier Veranstaltungen und kleine Empfänge, zu denen das Nordhäuser Bürgertum gut kleidet erscheint, gedämpft lacht und mit Sekt anstößt.

Geleitet wird das Kunsthaus Meyenburg von Susanne Hinsching, die neben diesem auch noch die „Flohburg“, ein stadthistorisches Museum, und den „Tabakspeicher“, ein Industrie-, Handwerks- und Archäologiemuseum, managt. Die Meyenburg ist jedoch das älteste und wichtigste Museum in der Stadt.

Die Aufgaben der städtischen Museumsleiterin sind sehr breit gefächert, das Konzipieren von Ausstellungen nimmt dabei nur einen kleinen Teil ein. Für Susanne Hinsching ist es jedoch der spannendste und schönste Teil ihrer Arbeit.

Susanne Hinsching ist keine Künstlerin im klassischen Sinne. Sie ist so etwas wie eine Kantianerin der Kunst. Während Immanuel Kant die „Bedingungen der Möglichkeiten der Erkenntnis“ auslotete, besteht Susanne Hinschings Kunst darin, Werke auf eine besondere Art und Weise zusammenzustellen, so dass sie eine möglichst große Wirkung auf ihre Betrachter erzielen. Ihr Fachgebiet ist die die Herstellung der Bedingungen, die es der Kunst ermöglichen, sich zu entfalten.

Leicht haben es die Kunstwerke mit der Museumsleiterin und Kuratorin nicht. Beinahe bis zur letzten Minute kann es ihnen passieren, umgehängt oder sogar ausgetauscht zu werden. Erst wenn sich Susanne Hinsching sicher ist, dass sich alle am richtigen Platz befinden, oder einfach die Zeit nicht mehr reichen würde, doch noch eine Veränderung vorzunehmen, erst dann kehrt jene seltsam-stille Atmosphäre ein, in denen sich die Werke offenbar wohl fühlen und die Museen eigen ist.

Der Weg zu einer Ausstellung, wie sollte es anders sein, beginnt mit einer Idee. Das können sehr abstrakte Ideen sein. So wie „Tod“ oder „Zirkus“. Beide Themen spielten im vergangenen Jahr ein Rolle.

Dabei lässt sich Susanne Hinsching auch von den eigenen Beständen inspirieren – den Dauerbewohnern ihres Hauses. Sie lagern in verschiedenen Räumen, unter anderem hinter einer verschlossenen Tür im oberen Geschoss.

Da man unmittelbar von den Museumsräumen dorthin gelangt, wirkt der Kontrast besonders stark: Hier das bis ins kleinste Detail Arrangierte. Die Absicht, die volle Aufmerksamkeit der Besucher einzig und allein auf die Kunstwerke zu lenken, ist klar erkennbar.

Dort eine Art Kammer, die nicht schön und nicht hell ist und so viel Gewöhnliches hat, dass sie sich vermutlich manchmal schämt, ein Teil dieser Traumvilla zu sein. Was sie von anderen Aufbewahrungsräumen unterscheidet, ist ihre Enge und die breiten und zugleich sehr schmalen Fächer, Regale und Schubladen, in denen das bemalte Papier lagert.

Es steht und liegt auch allerlei Zeugs rum. Zumindest auf den ersten Blick erfüllt nicht jeder Gegenstand den hohen Anspruch, zweifelsfrei Kunst zu sein. Hier reckt ein kleiner Athleth seinen Arm in die Höhe, dort liegt eine Rolle Klebeband. An den Griff eines Schranks hängt ein Wimpel.

Es ist ordentlich, es ist sauber, aber es sieht gleichzeitig erbarmungslos nützlich aus in diesem Raum und er hat ein wenig von dem Charme einer Rumpelkammer. Susanne Hinsching fühlt sich trotzdem sichtlich wohl in diesem Raum. Während sie erläutert, wie ihre Kunst – die Zusammenstellung einer Ausstellung – funktioniert, leuchten ihre Augen.

Das Archiv birgt allerlei Schätze, die Ausstellung für Ausstellung ihren Zweck erfüllen: Das Kunsthaus Meyenburg ist kein Museo del Prado. Es hat nur einen kleinen Etat, und wenn es doch immer wieder gelingt, einen besonderen Glanz ins Haus zu bringen, dann liegt das an der Chefin, die über einige gute Kontakte verfügt und das Geschick hat, auch mal aus wenig viel zu machen. Es ist wie mit einem guten Koch: Geld kann zwar die erlesensten Zutaten aus aller Welt einkaufen, aber nicht selbst zubereiten. Es ist immer das Händchen des Kochs, der aus dem Rohstoff eine Mahlzeit macht. Und so sind es am Ende oft auch die ganz großen Namen, die in ihrer Meyenburg zu sehen sind: Pablo Picasso, Joan Miró, Max Klinger, Salvador Dalí.

Susanne Hinsching verfolgt ihre Idee, indem sie zunächst einmal sammelt: Was passt zum Beispiel zu einem Thema wie „Der schöne Sensenmann“? Was gibt das Archiv her? Wo kann ich mir Stücke ausleihen? Welche Sammler könnten mir weiterhelfen? Gleichzeitig wühlt die Kunsthistorikerin Kataloge durch und liest sich in das Thema ein, um sich aus der Buchstaben- und Fotowelt weitere Ideen abzuholen und Optionen auszuloten. Wenn sich dann allmählich eine konkrete Vorstellung bildet, welche Werke in die Ausstellung wandern könnten, geht es darum, die Idee weiterzuentwickeln. „Was will ich ausdrücken? Geht es um bestimmte Inhalte, geht es um bestimmte Motive, um eine Epoche, um eine spezifische Auswahl an Künstlern? Was soll die Ausstellung didaktisch vermitteln?“ Sind diese Fragen beantwortet, steht auch weitgehend fest, welche Werke tatsächlich in Frage kommen und welche nicht.

„Wenn dann alle Puzzleteile zusammen sind, gehe ich in mein Büro und die Ausstellung entsteht in meinem Kopf.“ Die Auswahl der Werke, die Dramaturgie, die die Frage beantwortet: Welches Werk kommt wo und in welcher Umgebung am besten zur Geltung? Wie entsteht eine Spannung zwischen den verschiedenen Bildern und Räumen? Es klingt einfach, aber die Aufgabe ist nicht einfach: „Die Ausstellung gelingt, wenn der Besucher gespannt zum nächsten Bild geht.“

Ein, zwei Tage dauert dieser intensive Prozess. „Da tauche ich richtig ein in eine andere Welt, die aber auch real ist. Ich brauche dafür Ruhe. Das Telefon ist abgestellt. Manchmal arbeite ich dann sogar lieber am Wochenende von zu Hause.“ Wenn diese 24, 48 Stunden vorbei sind, „steht die Ausstellung. Zu mehr als 99,9 Prozent“. Und selbst, „wenn es nur 95 Prozent sind – das funktioniert auch noch.“

Was jetzt kommt, ist viel Organistion: Werke aus dem eigenen Bestand werden herausgesucht, müssen passepartourisiert und gerahmt werden. Anfragen an andere Museen und private Sammler gehen raus, Leihverträge werden abgeschlossen. Parallel dazu müssen die kunstwissenschaftlichen Ausstellungstexte geschrieben und gesetzt werden, damit sich die Besucher auch ohne Führung dem jeweiligen Thema der Ausstellung, den Künstlern und den ausgestellten Werken nähern können. Nach und nach treffen die Gegenstände ein. Das Marketing wird geplant, Flyer und Plakate entworfen, Veranstaltungen organisiert und Termine festgelegt, Presse und Medien informiert. Und dann wird gehängt. Dafür ist ein kurzes Zeitfenster offen, das zwischen der vergangenen und der künftigen Ausstellung liegt. In dieser Zeit ist das Museum geschlossen.

Und dann gibt es noch diese eine ganz besondere, eine unruhige Nacht: die Nacht vor der Vernissage. „Da hänge ich im Halbschlaf auch noch mal gerne die Werke um. Am nächsten Morgen bin ich dann immer schon sehr zeitig im Haus“, um zu überprüfen, was die Träume ihr sagten. Es könnte ja sein, dass es besser ist als das, was sie zuvor plante. „In der Regel ist die ursprüngliche Variante doch besser. Aber manchmal kam mir nachts auch ein guter Gedanke.“

Bis zum 07. April 2019 läuft im Kunsthaus die Ausstellung „Ruckediguh… Die Grafik dazu. Das Märchen in der Kunst“. Kunsthaus Meyenburg, Alexander-Puschkin-Str. 31, 99734 Nordhausen. Öffnungzeiten: Dienstag bis Sonntag, 10.00 bis 17.00 Uhr. Tel: 03631/881091

 

 

Kunst im Werden #4: Rahmen mit Füllung (Künstler: Ricardo Borchardt)


Es ist alles vorbereitet. Farben, Leinwand. Der Künstler baut sich vor seinem Tisch auf. „Künstler arbeiten immer allein. Sie sind der Erste, der zuschauen darf.“

Und dann geht alles ganz schnell. Wusch-wusch. Ricardo Borchardt zieht das Rakel einmal über die Leinwand. Dann noch einmal. Fertig. „Ist doch gut geworden!“

Ich mache große Augen. Zuvor hatte ich KünsterInnen besucht, die brauchten Stunden über Stunden, Tage und Wochen für ein Werk. Die einen mit Akribie und Konzept, die anderen aus dem Bauch heraus. Und jetzt? „Wenn man es gut macht, ist man in 20 Sekunden fertig“, sagt Borchardt. „Für mein letztes Bild habe ich länger gebraucht. Zweieinhalb Minuten.“

„Mmmh.“ Pause. Ich suche nach einer Antwort. „Ähh.“

„Ja klar, damit mache ich mich natürlich angreifbar“, räumt der Maler ein.

Und jetzt? Im Grunde genommen ist das schon das Ende der Geschichte. Wobei, äh, nein, das ist noch was.

***

Weimar steht für vieles, allen voran Kunst und Kultur. Die Wege der Touristen sind vorgezeichnet: Die Wohnhäuser Goethes und Schillers, das Nationaltheater, die Amalia-Bibliothek. Pünktlich zum Jubiläum gesellt sich nun auch noch das neue Bauhaus-Museum zu den Orten, „die man gesehen haben muss“. Dazwischen gepflasterte Straßen und Plätze, die die Sehenswürdigkeiten verbinden oder ihnen den Raum zum Bestaunen geben.

Neben den obligatorischen Schulklassen sind es vornehmlich ältere Herrschaften, die in flachen, braun-beigen Gesundheitsschuhen über das Pflaster gehen, und wenn sie gut zu Fuß sind, laufen sie auch noch zum Gartenhäuschen Goethes im Ilm-Park. Kultur ohne Ende, Bildung über Bildung.

Dazwischen ist es wie in jeder größeren Tourismusstadt: Fünf bis sechs Plätze, etwa zehn Straßen und Gassen, das genügt, um sich einen Begriff von der Stadt zu machen. Um beim Dinner im Freundeskreis diesen entscheidenden Satz sagen zu können, der das Gespräch in Gang bringt: „Wir waren ja neulich in Weimar…“

***

Ricardo Borchardt hat sein Atelier in einer Straße, die unser Kulturfreund vom Dinner womöglich durchlaufen hatte, als er, vom Bahnhof kommend, eilig die Innnestadt ansteuerte. Aber es ist ihm nichts davon im Gedächtnis geblieben, weil er auf Goethe und Schiler fixiert war. Zwei- bis dreistöckige Wohnhäuser, ein paar Gründerzeitbauten, Saniertes und nicht Saniertes, eine zwei- bis dreispurige Fahrbahn, Parkplätze rechts und links, ein paar kleine Geschäfte, nichts Touristisches. Eine Straße halt. Ein paar Baustellen. Sogar der Name des Viertels liest sich, als sei er Programm: Nordvorstadt. Goethe ist woanders.

In dieser Vorstadt-Straße also findet sich der eher unscheinbare Eingang zum Atelier. Wenn man reinkommt: Die Räume sind hell, die Wände weiß gestrichen, die Bilder, die dort hängen, abstrakt, sehr bunt und sehr groß. Als ich eintrete, sitzt Ricardo Borchardt in einem schwarzen Sessel vor einem grellgrünen Tisch. Eine schwarze Künstlersträhne hängt ihm in der Stirn.

Gelassen und fachkundig doziert er über Kunst, und fast komme ich mir schon vor wie ein Student, der sich wohl Notizen machen sollte, aber eigentlich gar nicht weiß, um was es geht.

„Ich mache zwar diese Serie“, werfe ich irgendwann ein, „aber ich habe eigentlich nicht so viel Ahnung von Kunst. Ich schreibe auch keine Rezensionen und ich verwende keine Fachbegriffe aus dem Kunstlexikon. Mich interessiert was anderes.“

„Was denn?“, fragt der Künstler.

„Kunst im Werden. Wie die Künstler es anstellen. Motive, Botschaften.“

Ein Augenblick der Erkenntnis durchzuckt den Raum. Zwei Männer schauen sich prüfend in die Augen. 

Ich ergänze: „Mir ist auch egal, ob es große oder kleine Kunst ist, ob es sich gut oder schlecht verkaufen lässt, ob es hochsubventioniert ist oder gar nicht gefördert wird. Alles egal.“

In diesem Moment verschwindet der schlaue Journalist aus dem Raum, und gleich mit ihm der geniale Künstler. Es wird Zeit, sich zu duzen.

„Eigentlich verkaufe ich gar keine Bilder“, verrät Ricardo. „Der Käufer bestimmt nämlich den Preis. Was ich verkaufe, sind die Rahmen. Ich mache Rahmen mit Füllung.“

Oh. Noch ein Moment der Erkenntnis.

***

Natürlich ist Ricardo Borchardt ein Künstler, auch wenn er den Scharlatan charmant zu spielen weiß.

„Hast du gerade Scharlatan gesagt?“, fragt Borchardt.

Hab ich gerade Scharlatan gesagt?

„Scharlatan, das ist die höchste Form der Beschimpfung in der Hochkultur“, meint Borchardt.

Nein, natürlich ist er kein Scharlatan. Er ist jetzt ein Maler, aber er war auch schon mal etwas anderes. Seit sehr vielen Jahren ist er als Designer im Geschäft. Licht und Bauhaus-Leuchten sind sein wichtigstes Metier. Er entwarf auch schon Grabsteine, Bühnenbilder und abstrakte Skulpturen. „Was ich nicht schon alles gemacht habe?!“, sagt er und lässt ein paar Arbeiten aus der Erinnerung an sich vorbeiziehen.

2007 zum Beispiel. Italien. Die evangelisch-lutherische Kirche in Rom. In der Via Aurelia Antica 391. Borchardt entwirft den Altar und die Kanzel. Er erinnert sich: „Zur Eröffnung waren Kardinal Lehmann und Bischof Johannes Friedrich da und predigten wohlwollend an meiner Kanzel aus Glas und Edelstahl.“

Etwas bescheiden fügt er hinzu: „Natürlich darf man das nicht mit der katholischen Kirche in Rom verwechseln. Die evangelische Kirche ist in Italien eine kleine Minderheit. Es gibt nur zwölf Gemeinden.“

Wichtig war in seinem Werdegang der Weimarer Künstler Dieter M. Weidenbach, mit dem ihn gemeinsame Projekte verbinden, als dessen Schüler er sich begreift. Und mehr als das. Eine „Vaterfigur“ sei Weidenbach für ihn.

Borchardt lebte viele Jahre in Erfurt. Als er ein paar Kilometer weiter östlich nach Weimar zog, fiel ihm auf, keine Bilder für die neuen Wände zu haben. Jedenfalls nicht genug für seinen Geschmack. „Also war ich gezwungen, selber zu malen.“ Seine Technik: das Rakeln. Ähnlich wie beim Verputzen von Wänden zieht der Künstler die mit Farbe bedeckte Rakel über die Leinwand, hin und her, bis etwas herauskommt, das – nach Ansicht des Künstlers – gut aussieht und die Phantasie beflügelt. Einer, der diese Technik prägte, ist Gerhard Richter, dessen Bilder mit die teuersten auf dem Kunstmark sind.

Borchardt lässt keine Gelegenheit aus, seine Abneigung gegenüber Richter deutlich werden zu lassen. Er betont aber auch, zwischen Künstler und Werk zu trennen. Was sein Werk betrifft, gefällt ihn bei weitem nicht alles, aber einige Stücke schon.

Er erinnert an das großflächige Bild mit dem provokativen Titel "Abstraktes Bild". Es brachte 41 Millionen Euro ein. „Dabei kann das jede Hausfrau am Küchentisch machen!“, meint Borchardt.

Das ist ein Statement, denke ich.

Borchardt hat viele Ratschläge. Das A und O seien die Farben. Wichtig sei, die Ränder zu färben. Vor dem Rakeln müsse das Bild grundiert werden, nicht dass noch irgendwo weiße Leinwand durchblitzt. Und groß sollten die Bilder sein. „Das wirkt immer“. Sieht man ja bei Richter…

Seine Bilder bilden nichts ab, sie sind abstrakt, aber es es lässt sich viel hineininterpretieren. Es sind Zufallsbilder. „Abstrakte Malerei kann nur Zufall sein“, sagt er, „das kann man nicht steuern.“ Die große Frage sei immer: „Bin ich jetzt fertig oder mache ich weiter?“ Oder: „Kunst ist Tun. Dabei entsteht etwas, was man an die Wand hängen kann. Und da fühlen Sie sich plötzlich als Schöpfer.“

Für Borchardt ist Kunst eine Sublimation des Handwerks hin zur Kunst. Dabei betrachtet er nicht nur das Bild, sondern auch das Drumherum: Inhalt und Technik, Rahmen, der Raum, das Licht und die Hängung.

Ja, die Rahmen. Designerrahmen aus Stahl. „Da siehst du keine Schweißnaht!“ Plötzlich funkeln seine Auge. Er ist bei seinem Thema. „Bilder brauchen Rahmen! Als Perfektionist und Ästhet der Metallgestaltung muss ich das so sehen!“

Vor allem diese wilden Farbbilder, die Borchardt selbst auch „Farbantragungen“ nennt, brauchen Rahmen. Sie passen sich ein in die nüchterne Rahmung aus Schwarz- und Edelstahl. Eine kalte Ästhetik, die darum kämpft, einen leidenschaftlichen Vulkan zu zähmen. An sich ein atemberaubender Widerspruch, im menschlichen Zusammenleben geeignet, einen wohlgeordneten Seelenhaushalt komplett aus dem Gleichgewicht zu bringen. Ich frage Borchardt, ob er das auch so sieht.

„Einspruch. Viele Betrachter finden meine Bilder beruhigend.“

Als ich zwei Stunden später wieder auf der Thälmann-Straße stehe und Richtung Bahnhof laufe, telefoniere ich mit einer Freundin. Ich erzähle von meinem neuen Hobby, naja, einem, das noch nicht ist, aber noch eins werden könnte. „Man braucht dafür nicht viel, kann jeder Hausmann am Küchentisch.“ Die Technik sei auch geeignet für Bilder, die man nicht mag: Die ließen sich blendend überrakeln.

Einen Titel hätte ich schon: „Ein Bild für einen Rahmen, der noch kein Bild hat.“ 

Februar 2019

Zurzeit bereitet der Künstler eine Ausstellung in Eisenach vor. Die Vernissage ist im September 2019 geplant. http://ricardo-borchardt.de/

 


Kunst im Werden #3: Sachliche Schönheit (Künstlerin: Annekatrin Lemke)

Vielleicht huschen ja noch die Geister früherer Bewohner durch die Büsche des verwilderten Garten. Denn das Gelände wirkt romantisch verhext. Im Gelände versprengt ein paar langgezogene und flache Häuser, teilweise mit Brennnesseln umrahmt.

In einem der hinteren Häuser stöhnten und krümmten sich einst verwundete Soldaten, verzweifelten Menschen mit Nervenleiden, warteten Kranke in der letzten Phase ihres Lebens auf den Tod. Später schwitzten Flüchtlinge in der Nacht albträumend ihre Ängste aus dem Leib.

Aber das ist Vergangenheit. Jetzt arbeiten Künstler und Menschen aus der Kreativwirtschaft in diesen Räumen. Das Haus, das sich Wächterhaus nennt und von der Stadt Erfurt gefördert wird, hat die Rolle seiner Bewohner verändert: Sie erleiden nicht länger, sondern schaffen etwas. Es ist ein Glück, an diesem Ort ein Atelier zu haben, dessen Miete bezahlbar ist. Annekatrin Lemke ist eine der Glücklichen.

Als Kind habe ich mir unter einem Bildhauer einen Schrank von Mann vorgestellt – einer der mit mächtigen Werkzeugen und riesigen Bizeps auf harte Materialien einschlägt. Die Bildhauerin Annekatrin Lemke passt nicht in dieses Bild, und sie braucht noch mehr Geschick als Kraft, wenn sie sich durch ihr Material arbeitet. Ihr wichtigstes Werkzeug ist ein sehr, sehr scharfes Eisen, und was sie bearbeitet, ist meistens Holz. Lindenholz, über Jahre getrocknet, nicht zu hart, nicht zu weich, gut zu bearbeiten.

Mit der linken Hand umschließt sie mit festem Griff das Eisen, fügt es in einem Winkeln von vielleicht 40 bis 50 Grad an die zu bearbeitende Stelle. So etwas wie ein Stromkreis schließt sich zwischen der Künstlerin, dem Werkzeug und dem Material. Es ist vielleicht verwandt mit dem Moment, den Kinder empfinden, wenn sie Bäume umarmen, sich im Schlammbad wälzen oder einfach in die Wellen des Meeres tauchen. Die Hierarchie zwischen Subjekt und Objekt, zwischen der fordernden Künstlerin und dem zu formenden Material bricht für die Augenblicke des Schaffens ein oder gerät doch zumindest in Vergessenheit.

Während also der linke Arm, verlängert durch das Eisen, eine direkte Verbindung zum Holz findet, schlägt die rechte Hand mit dem Schlegel auf das Eisen, nicht ganz wie ein Uhrwerk, weil jeder Schlag anders ist, mal härter, mal gedämpfter, mal in steilerem, mal in flacherem Winkel. Ob sie je die Schläge gezählt hat, die sie braucht, bis ein Werk fertig ist?

Einige ihrer Werke stehen im Atelier. Annekatrin Lemke gehört nicht zu den Künstlern, die geradezu manisch immer und immer wieder dasselbe Motiv in verschiedenen Varianten (re-)produzieren. Auch wenn der Stil sich gleich bleibt, ist jedes Bild anders. Was häufig wiederkehrt, ist das Format 50 x 60 Zentimeter. Ihr Lieblingsformat.

Ihr Arbeitstisch steht vor dem Fenster, von hier könnte sie auf den verwilderten Garten schauen, aber ihr Blick liegt konzentriert auf dem viereckigen Stück, das von ihr bearbeitet wird. Es sind Flächen, die sie aus dem Holz herausholt, von unterschiedlicher Höhe, getrennt durch Linien, mal abknickend, mal gerade, mal geschwungen. Die Flächen spielen miteinander, mal drohen sie zu kippen, mal gehen sie in eine andere über. Und allmählich schält sich etwas heraus, dass immer mehr den Anschein erweckt, als müsse es genau so werden, wie es gerade wird. „Ich suche Formen“, sagt die Künstlerin, „bei denen ich das Gefühl habe, dass sie zusammenkommen müssen.“ Und genau das ist es, was die Werke von ihr ausmachen. Sie bereiten dem Betrachter dieses Vollständigkeitsgefühl, dieses „Ja, so muss es sein, genau so passt es zusammen“-Gefühl.

Annekatrin Lemke bringt eine Menge Geduld mit. Sie zeigt auf eine dünne Linie. „Das kann Stunden dauern, bist sie fertig ist.“ Für ein einziges Relief – Konstruktion auf dem Papier, die Bearbeitung des Holzes, die Farbgebung – gehen schon mal 50-60 Stunden drauf.

Viele ihrer Werke kommen neben der Grundfarbe mit nur zwei weiteren Farben aus, jede für sich in verschiedener Tönung, sich gegenseitig kontrastierend. Wäre ich gezwungen, eines ihrer Reliefe mit nur zwei Adjektiven zu beschreiben, würde ich es vermutlich mit so etwas wie „sachlich und wohlgeformt“ beschreiben.

Sachlich, aber nicht kalt, wohlgeformt, aber nicht nicht von einer nach Effekten haschenden Schönheit. Annekatrin Lemke selbst drückt es einfacher aus. „Ich will nichts Schönes kopieren, was schon da ist. Aber ich will auch nichts Hässliches machen.“

Zur Sachlichkeit gehört in ihrem Atelier auch, dass sie immer nur ein Kunstwerk nach dem anderen fertigt. Das bedeutet, dass sie ihre volle Konzentration auf das eine Relief verwendet, und das bedeutet aber auch, dass sie andere Ideen, die nicht zu diesem Werk passen, zunächst einmal in eine geistige Schublade stecken muss. Dass zu dieser Methode viel Disziplin gehört, liegt nahe. Vielleicht passt zu dieser Art des Werkens auch eine gewissen Ordentlichkeit im Atelier: Nach getaner Arbeit kehrt sie die Späne immer weg.

Annekatrin Lemke ist keine Spontankünstlerin, ihre küntlerischen Produkte sind durchkonzipiert. An einer Zeichnung sitzt sie bis zu zwei Tage. Was dann auf dem Papier zu sehen ist, setzt sie auch zu nahezu hundert Prozent so um. Allein in der Farbgebung am Ende des Prozesses lässt sie sich noch ein wenig Freiheit. Da erlaubt sie sich kleine Abweichungen.

Ihre Motive bezieht sie häufig aus gebrauchten Fotobüchern über Architektur, die sie auf Flohmärkten oder in Antiquariaten findet. Häuser, Brücken, Hochsitze… Allerdings interessiert sie sich hier nur für die Formen und Strukturen. Ihre fertigen Werke erinnern kaum noch daran – es sei denn, man kennt die Fotos, von denen sich die Künstlerin hat inspirieren lassen. Mit etwas Phantasie ist dann doch noch ein Rückschluss auf die ursprüngliche Ideenquelle möglich.

Sie arbeitet auch mit anderem Material, aber Holz ist das, was zurzeit vorherrscht. Wie es weitergeht? „Es hat Jahre gedauert, meine Handschrift zu entwickeln“, blickt die Holzbildhauermeisterin zurück. „Aber ich werde mich weiterentwickeln.“

Auf dem Rückweg durch den Garten, noch bevor ich auf den durchasphaltierten, zubetonierten und von Verkehrslärm umfluteten Teil der Gesellschaft treffe, mache ich kurz Halt. Es ist eine Sitzecke, die dabei ist, sich dem überwuchernden Unkraut zu ergeben. In einer Ecke steht die leere Halterung eines Müllkorbs, ganz so, als hätte er sein Herz verloren. Ich stelle mir vor, wie es wohl aussähe, wenn Annekatrins Werke an den Bäumen hängen oder auf den Bänken stehen würden. Ich glaube, sie würden sich in dieser schönen Wildnis sehr gut machen: Größer könnte der Kontrast zu der schönen Sachlichkeit kaum sein.

Ihre nächste Ausstellung hat Annekatrin Lemke in der Galerie PHK18 in Rotterdam ( Prins Hendrikkade 18, 3071 KB Rotterdam, Niederlande) vom 20. Januar bis zum 29. März. Vertreten wird Annekatrin Lemke von der Galerie Hammerschmidt + Gladigau in Erfurt, wo man auch Ihre Arbeiten erwerben kann. Besuche im Atelier sind möglich, aber vorher bitte anmelden unter info@annekatrinlemke.de.

www.annekatrinlemke.de 


Kunst im Werden #2: Schicht um Schicht - dazwischen liegt die Zeit (Künstlerin: Diana Hartung)


So entstehen Landschaften. Schicht um Schicht. Zwischen den Schichten liegt viel, viel Zeit. Es ist das Prinzip geologischer Prozesse.

In den Werken der Künstlerin Diana Hartung liegen keine Jahrmillionen, so viel Zeit kann sich nur die Erde nehmen. Aber sie ist ja auch nicht die Erde, sondern eine Künstlerin aus dem Andreasviertel in Erfurt. Ihr Atelier liegt in einem Hinterhof. Einem hellen Hinterhof. Ihr Atelier ist voller Licht.

Bevor Besucher dorthin gelangen, passieren sie zwei Räume, die eigentlich auch zum Atelier gehören, aber inzwischen als Ausstellungsräume dienen. Den größeren der beiden Räume nutzt Diana Hartung außerdem für Qi Gong-Kurse, die sie einem breiten Publikum anbietet, und ab und zu findet hier auch ein Konzert statt, kombiniert mit einer Ausstellungseröffnung. Qi Gong – ein Zufall ist das nicht: Die fließenden Bewegungen chinesischen Bewegungsphilosophie finden sich in ihren Werken wieder.

Heute bin ich der Besucher. Der Gang durch die Räume, getrennt durch Stufen und Gänge, ist ein Gang durch die verschiedenen Schaffensperioden der Künstlerin. Es lohnt sich, einen Blick auf diese Werdung zu richten, weil es vieles von dem, was in diesen Tagen entsteht, erklärt.

Mehrere Jahre beschäftigte sich Diana Hartung mit menschlichen Figuren, ganz winzigen, aber auch lebensgroßen. Während die fingergroßen Figuren auf mich sehr agil und aktiv wirken, hinterlassen die größeren einen sehr sinnlichen Eindruck.

Bereits in diesen älteren Werken lässt sich jener Widerspruch erkennen, den Diana Hartung aus dem Material herausarbeiten und auflösen möchte: Dynamik und Balance. Allerdings kehrt sie im Verlauf der Jahre dem Figürlichen den Rücken und wendet sich seit den 2000er Jahren abstrakten Formen zu, die in den Folgejahren immer weiter zerfließen werden.

Fast im wörtlichen Sinne Meilensteine sind ihre eigenartigen Megalithen. Die Idee dazu brachte sie 2009 von den Steinfeldern der Bretagne mit, wo sie jene kraftvolle Wirkung der großen, teilweise pfahlförmigen Monumente spürte. Touristen erzählen gerne von ihren Erlebnissen mit den Steinen, aber Diana Hartung beließ es nicht bei der Schwärmerei – sie schuf ihre eigenen Megalithen. Und wenn wir jetzt im Geiste bei diesen Säulen sind, dann sind wir auch schon sehr nah an dem, woran die Künstlerin heute arbeitet.

Ihre Megalithen sind Mischwesen. Sie bestehen aus Holz und Papierstein. Papierstein ist DAS Material der Künstlerin. Von der Verarbeitung bis zur Trocknung durchläuft es mehrere Prozesse. Es ist feucht und matschig, dann wirkt es krümelig und erdig, steinig und am Ende hart wie Fels.

Eine Spezialmischung, die sich die Künstlerin hat als Marke eintragen lassen. Sechs Jahre experimentierte sie, bis sie zufrieden war und zu sich selbst sagen konnte: Das ist es. Zeit und Geduld – das sind zwei wesentliche Ingredienzen iher Kunst. Und warum eigentlich sollte es nicht so sein, dass immaterielle Zutaten – vergleichbar mit einem Zauberspruch – Wirkung in einem materiellen Werk entfalten?

Diana Hartung ist aber inzwischen weitergezogen. Heute arbeitet sie gleichzeitig an vielen verschiedenen Werken: Sie formt, sie malt, sie spritzt, sie klebt, sie emailliert, zwei- und dreidimensional, in unterschiedlichen Farben und Formate. Ihre Inspiration saugt sie häufig aus der Natur, insbesondere dem Meer. Zurzeit entsteht eine Reihe von Steinbildern – die „Flying Rocks“, wo die Künstlerin auch Mittel der Fotografie einsetzt. Es wäre für einen kurzen Text zu viel, die Vielfalt zu besprechen und in jedes einzelne Detail hineinzuspringen, aber ein Format zieht meine Blicke besonders an.

Sie ähneln Ur- und Meerestiere, und Diana ist sich dessen sehr bewusst. „Aus dem Wasser kam das Leben.“ Einige Formen erinnern an Krabben, andere an Schollen. Flach, stromlinienförmig, spielerisch-anziehend. Sirenenhaft rufen sie den Betrachter an: Schwimm‘ und tauch‘ mit mir in die Tiefe!

Ja, wenn sie vollendet sind, sind sie so. Davor ist Werden und das sieht zuweilen sehr profan aus. Schicht auf Schicht trägt die Künstlerin von ihrem Papierstein auf. Blau dominiert zurzeit. Zwischen den Schichten – die Zutat Zeit. Bevor es hier weitergeht, wendet sich Diana Hartung anderen Werken zu, trägt auf, formt, malt, spritzt… Manchmal liegen die halbfertigen Werke Monate im Atelier, bis endlich eine neue Idee das Signal zum Weitermachen gibt. Im Werden sind in diesem Atelier immer viele Werke gleichzeitig.

„Dance of Energy“ heißt die Reihe der Ur- und Meerestiere. Wie bei den Megalithen fügt sie dem Papierstein ein zweite Material hinzu: eine emaillierte Metallplatte. Wobei „hinzufügen“ nicht ganz das richtige Wort zu sein scheint. Es ist eher eine Einverleibung, denn das Metall wirkt wie selbstverständlich als ein Teil des Ganzen. Die verschiedenen Elemente schmiegen sich ineinander, ergänzen sich. Wenn die fließend-fliegenden Ur-Formen als Plastiken an Wänden hängen, erwecken sie tatsächlich den Eindruck, sich zu bewegen. Eine fantastische Alternative zum viereckigen Bild oder Poster.  

Die emaillierten Stücke brennt Diana Hartung in einem Ofen, der im Plattenbauviertel Rieth steht, und den viele Künstler aus der Region nutzen, um bei einer Hitze von 850 Grad ihren Werken die Farbe einzubrennen. Es ist ein abgesonderter Arbeitsschritt, der an einem anderen Ort und auch sonst völlig anders abläuft als die Formung des Grundkörpers aus Papierstein. Während des Emaillierens wissen die Metallteile noch nicht, welchem Körper sie später zugeordnet werden – womöglich gibt es ihn noch gar nicht.

Diana Hartung zeigt mir zwei Schachteln gebrannter Stücke – keins größer als eine Handteller, einige klein wie ein Finger. Der eine Karton enthält rot-braune, der andere blaue Teile. Wie ein kleiner Schwarm liegen sie zusammen, bis dann eines von ihnen herausgehoben und in einen Körper gesetzt wird, als wäre es ein Herz. Einige dieser Werke werden zurzeit in Chicago ausgestellt. Ihre Galeristin dort ist beeindruckt: „Es ist, als ob sie leben würden.“

„Es ist Hingabe, ein Suchen und Finden von Formen, letztlich auch die Kommunikation mit mir selbst“, beschreibt Diana Hartung ihre Gefühle während des schöpferischen Prozesses. Wenn sie in Schwung ist, arbeitet sie tagelang durch, vergisst mitunter auch die Mahlzeiten, bis ihr Körper eine Zwangspause verordnet. Bis zur Erschöpfung also.

An längere Schaffenskrisen kann sie sich indes nicht erinnern. Ihre Welt dreht sich fortwährend, und sie dreht sich um Begriffe wie Harmonie und Energie. Und Kraft. Kraft sei das, was die Kunst ihr gibt, und was sie durch ihre Kunst an die Betrachter weitergeben wolle.

„Es ist sicherlich wichtig, dass es Kunst gibt, die aufrüttelt und provoziert“, erklärt sie. „Aber ich möchte, dass meine Kunst berührt und bewegt. Mit Lebendigkeit und Tiefe.  Und mit einem Seitenhieb „auf die Welt“ fügt sie an: „Schau dir doch die Welt an. Brauch ich das dann auch noch in der Kunst?“

Als ich wieder auf der Straße stehe, halte ich eine Schwanenfeder in der Hand, am unteren Ende angespitzt. Ein Geschenk. „Damit kannst du auch schreiben.“ Und während ich die wenigen Meter zum Ufer der Gera laufe, überlege ich, was ich in einem Brief mit der Schwanenfeder schreiben könnte. Zwischen den Zeilen müssten wohl Wellen zu hören sein, und vielleicht ist es ja sogar möglich, sich durch die Spalten hindurch in die Tiefe fallen zu lassen, um den Grund des Meeres nach Dianas Urtieren abzusuchen.

Diana Hartungs Atelier N55 befindet sich in in der Erfurter Nordstraße 55. Besuche nach Voranmeldung sind willkommen (Tel.: 0361 212 90 67). Ihre Werke werden zurzeit auch in Chicago ausgestellt. Gerade ist sie von einer USA-Reise zurückgekehrt und wirkt aufgeregt: „Ich bin noch völlig hin und weg.“ Etwas arbeitet in ihr. Man darf gespannt sein.

Internet: www.dianahartung.de


Kunst im Werden #1: Der Reiz des Unvollendeten. Ein Anfang

Es war nur so eine Idee. Ich weiß nicht mal, wann und in welchem Zusammenhang sie kam. Aber es war irgendwann im Sommer 2018 und sie kam nicht von ungefähr.

Was mich am traditionellen Journalismus schon immer störte, ist die Fokussierung auf das Ergebnis. In der Regel ist immer nur das fertige Werk der Rede wert. Das gilt übrigens in der Kunst genauso wie in der Politik. Viel interessanter aber ist der Prozess. (Zumal es ja nicht wirklich irgend etwas Abgeschlossenes gibt: Der nächste Tag bringt schon wieder eine neue Lage. Abschluss-Pressekonferenz hin, Eröffnungsfeier her). Das ist der Boden, der die Idee entsprang.

Damit sie nicht gleich wieder verschwindet, was Ideen ja gerne tun, bekam sie einen Arbeitstitel: Kunst im Werden. Maler, Bildhauer, Musiker, Schauspieler, Literaten, Kulturmanager – sie alle arbeiten an irgend etwas. Entgegen der typischen Ergebnis-Berichterstattung sollte der Prozess im Mittelpunkt stehen. Die Spannung des Unvollendeten. Hier ist also der Weg das Ziel.

Ich stellte „Kunst im Werden“ auf Facebook vor. Die Resonanz war groß. Grund genug, weiter zu gehen. Auszuprobieren, wie es gehen könnte. Feldforschung.

Das Ziel des Wegs: Ein Haus in Erfurt, ein paar Straßenbahnstationen von der Altstadt entfernt. Ein so genanntes Wächterhaus. Insgesamt gibt es davon drei in der Stadt: Vormals leerstehende Häuser, die verfallen würden, gäbe es keine Nutzer. Also suchte die Stadt nach Künstlern und Menschen aus der Kreativwirtschaft, die dort für eine bezahlbare Miete ihre Ateliers einrichten und die Häuser erhalten. In so einem Haus arbeitet die Bildhauerin Annekatrin Lemke, die ich kurz zuvor auf einer Vernissage kennengelernt hatte.

Die Nordhäuser Straße ist eine Ausfallstraße, die das Zentrum mit den Plattenbausiedlungen im Norden verbindet. Zwischen beiden Vierteln, die recht unterschiedliche Gesellschaften beherbergen, steht, als wolle sie so etwas wie eine Vermittlerin sein, eine große Klinik. Und eine Universität. Gleich neben der Klinik befindet sich ein weitläufiges, verwildertes Grundstück. Es sieht ein bisschen so aus, als dürfe man es nicht betreten, als gäbe es ein unsichtbares Schild mit dem Hinweis: Vorsicht verhext!

In dem Grundstück stehen verstreut ein paar Ziegel- und Flachbauten. Ich war verunsichert, weil ich weit und breit nichts erkannte, was nach Kunst und Kultur aussehen wollte.

Zwei, drei Mal lief ich durch das Gelände, auf und ab. Die Zeit verging, und ich war sowieso schon zu spät. Eine Frau, die aus einem der Gebäude kam und aussah, als gehe sie hier ein und aus, schaute mich verwundert an. „Künstler? Ateliers? Nicht, dass ich wüsste.“

Wer kennt auch schon seine Nachbarn?

Ich kreiste weiter durchs Gelände. Ein brennesselumwachsenes Gebäude hatte ich bislang ignoriert. Ich rüttelte an der Tür. Zu. Ich schaute durch die Fenster in die Räume: Leer. Blick auf die Uhr: Viel zu spät.

Nur noch ein flaches, langgezogenes Haus war übrig, das ich, warum auch immer, noch nicht inspiziert hatte. Weil es verputzt war, sah es von außen gepflegter aus als das Brennesselhaus, aber nicht wirklich schön oder interessant. Eher wie das Gebäude eines Gebrauchtwagenhändlers, der finanziell immer am Limit arbeitet und gelernt hat, sich auf das Notwendigste zu beschränken. Hauptsache, die Heizung geht und es regnet nicht rein.

Die Tür war geöffnet, im Innern Baustelle, Baustelle, Baustelle. Im Gegenlicht kam mir eine schattenhafte Gestalt entgegen. Als sie vor mir stand, erkannte ich sie. „Hallo, tut mir leid, bin spät…“ „Kein Problem“, meinte Annekatrin Lemke. Sie führte mich in ihr Atelier. Einst ein Krankenzimmer – an wenigen Details konnte man das noch erkennen. Womöglich fließt das ein in ihr Schaffen. Wir werden sehen.

Das Haus, in der ihre Werke entstehen, hatte übrigens schon viele eigenartige Bewohner: verwundete Soldaten, Menschen mit Nervenleiden, Kranke in der letzten Phase ihres Lebens, Flüchtlinge. Jetzt sind es Künstler.

Es war schon immer ein Haus für Menschen, die die Randgebiete der Gesellschaft besiedeln. 

Oktober 2018


Fiktion #1: Bens Weihnachtsgeschichte: In einer stillen Nacht.


Die Nacht von Heiligabend zum ersten Weihnachtsfeiertag in Kandka. Die schneebedeckten Wege des kleinen Dorfes liegen verlassen da, die meisten schlafen bereits. Nur Ben nicht, denn seine Gedanken halten ihn auch in dieser friedlichsten aller Winternächte wach. 

Eine Geschichte zwischen Inception und Alice im Wunderland. Von Yussuf Fischer, der auch den Ben spricht. Erschienen im Hörfunkprogramm von mephisto 97.6 am 24. Dezember 2018. 

Hier geht es zum Hören:

Von lieben Familien und fiesen Geistern. 


Fiktion #2: Der weiße Stein












Fortsetzungsromane gehörten einst zum feste Inventar einer Regionalzeitung. Die Zeiten haben sich aber geändert. Lesegeschichten im weitesten Sinne, also auch Reportagen und Feuilletons, fielen mehr und mehr dem Faktenwahn der Neunzigerjahre zum Opfer. Inzwischen ist der Bedarf an Erzählungen wieder zurückgekommen. Der weiße Stein erschien im März 2018 in der Thüringer Allgemeinen. Er dient der Unterhaltung des Lesepublikums, bildet aber auf literarische Art und Weise auch ein Stück soziale und historische Realität ab.

Hier geht es zum Flipbook: Der weiße Stein.

Auf den Spuren des Ermittlers. Ein Stadtrundgang zum Krimi in Erfurt.





Die Bilder hinter dem weißen Stein. Ein Besuch im Atelier von Mitsch.






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