Website des Journalisten Johannes M. Fischer
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Literarischer Journalismus

Das Seelenprojekt. In diesem spannenden Langzeitprojekt machen es sich die Autoren zur Aufgabe, die gegenwärtige Geistes- und Seelenverfassung breiter Schichten der Bevölkerung zu vermessen. Es gibt eine enge Verbindung zwischen Journalisten, Wissenschaftlern verschiedener Universitäten und den Seelensubjekten, die in den Menschen- und Ortsporträts die Hauptrolle spielen. Im Mittelpunkt stehen dabei Porträts, die die porträtierte Personen in einem bestimmten kulturellen Zusammenhang zeigen, sowie das Feuilleton in der Tradition eines Siegfried Kracauers.

Das Seelen-Projekt steht für einen Journalismusbegriff, der neben der Veröffentlichung und Verbreitung von Nachrichten, Informationen und Hintergrundanalysen verstärkt auf Formen setzt, die sich langfristig ins Gedächtnis graben, die zum tiefen Nachdenken anregen, Emotionen wecken und Leser ins Gespräch bringen. 

Die Mittelschicht galt lange Zeit als Hort der Sicherheit und Bodenständigkeit, doch der Boden schwankt. In der Medien- und Wissenschaftslandschaft ist inzwischen viel häufiger von Verwerfungen die Rede und - besonders in Ostdeutschland - mit dem vorherrschenden Gefühl, "Heimat" zu verlieren oder "abgehängt" zu sein. Das  Seelenprojekt macht es sich zur Aufgabe, die gegenwärtige Geistes- und Seelenverfassung von Menschen aus der Mittelschicht zu vermessen, wobei der Begriff der Mittelschicht hier sehr weit gefasst wird.

Dabei gehen Journalismus und Soziologie Hand in Hand. Im Mittelpunkt stehen das klassische Feuilleton, das Literatur, Reportage und Soziologie verbindet, sowie das Porträt. Mithilfe von Beobachtungen und Gesprächen zur Arbeit, Freizeit, Konsum und Sinnfragen (anhand Themen wie Liebe, Ästhetik oder Tattoos) werden Hoffnungen und Enttäuschungen der Thüringer untersucht und in einen Zusammenhang gebracht.

Experimenteller Vorläufer des Seelenprojekts ist die Serie C'est la vie. Hier entdeckt die Soziologieprofessorin Barbara Thériault auf ihren Spaziergängen durch Erfurt neue und verblüffende Perspektiven auf das Stadtleben. Mit viel Sinn fürs Detail wirft die Kanadierin einen kühnen Blick auf den Alltag der Erfurter Mittelschichten. Staffel 1 erschien im Sommer/Herbst 2017, Staffel 2 im Sommer 2018. Das ehrgeizige Projekt setzt eine intensive Recherche voraus, die im Winter 2017 begonnen hat.

Seine Geburtsstunde hatte das Projekt in einem Montrealer Szene-Café, wo die kanadische Soziologin Barbara Thériault und ich erste Skizzen auf die Rückseite einer Serviette kritzelten. 

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